Im Herzzentrum des Purpurflows

 Wer bin ich im Herz? 

Detail aus dem zen­tra­len Kom­po­si­ti­ons­punkt des Pur­purf­lows 2018 Farb­staub auf Glas

 

Der Pur­purf­low und das Erz

Wie eine strah­len­de Fan­fa­re der Freu­de rauscht Gelb her­ein- unge­trübt leuch­tend- han­delnd ist es die star­ke Anfüh­re­rin des Pur­purf­lows.

Im Drei­klang mit Pur­pur fehlt schein­bar das Cyan, das aber in den weiß­li­chen Mol­keglas­flä­chen je nach Licht­si­tua­ti­on bläu­li­cher bis grün­li­cher mit­spielt. Par Exel­lence stimmt der mäch­ti­ge Dur Klang von Zitron über Gold­gelb, Oran­ge, Zin­no­ber, Kar­min auf den ange­schla­ge­nen Farbak­kord aus Gelb-Oran­ge und Pur­pur ein: Freu­de, Kraft und Wär­me pur strah­len uns pracht­voll ent­ge­gen.

Wür­den wir die Far­ben in den Men­gen­ver­hält­nis­sen der Kom­po­si­ti­on alle zusam­men­schüt­ten, ent­stün­de ein kämp­fe­ri­sches Rot, wie wir es mit dem Mars ver­bin­den und dem des sog. Blut­mon­des, der außer­ge­wöhn­li­chen Mond­fins­ter­nis vor weni­gen Tagen. Und wir ver­bin­den es mit der Kraft des Eisens, obwohl es ja selbst sil­bern ist, ist Eisen der wich­ti­ge Stoff in unse­rem roten, fri­schen Blut. Es ist der akti­ven, der männ­li­chen, ener­gi­schen Kraft­ent­fal­tung eigen. Das rot­brau­ne Eisen­erz ist der metall­hal­ti­ge Bestand­teil der Erde und mag­ma­ti­schen, meta­mor­phen und sedi­men­tä­ren Ursprungs.

Die Stei­ge­rungs­be­deu­tung im Sin­ne “von Grund auf, durch und durch” ist E R Z, wie im ERZ­engel aus der alt­grie­chi­schen Form archè und fin­det sich noch in den Wor­ten wie Archi­tek­tur, Hier­ar­chie und ver­schmol­zen in Arzt. Archè ist auch der Name des Anfangs, des Urstoffs, als Prin­zip des Seins.

Des­halb wun­dert es nicht, dass das E r e i g n i s des P U R P U R F O W S- denn es ist ein tem­po­rä­res Ereig­nis und kei­ne Aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Ver­la­de­turm der Eisen­erz­wasch­an­la­ge Eisen zur ERZART 4 sei­nen Kris­tal­li­sa­ti­ons­punkt fin­det. Genau die­se Regi­on des Vogels­bergs war eine bedeu­ten­de Erz­la­ger­stät­te wo im Tage­bau Eisen­erz für Stahl und Guss­ei­sen gewon­nen wur­de und mit der Eisen­bahn abtrans­por­tiert wur­de. Wel­che tot­brin­gen­de Zer­stö­rung und wel­cher lebens­spen­den­de Segen mit die­sem mythi­schen Mate­ri­al Eisen ver­bun­den ist, wis­sen wir alle. Gehen wir heu­te unse­re hei­ßen Eisen segens­vol­ler an?

Etwas so leich­tes, zar­tes, ver­gäng­li­ches und luf­ti­ges wie ein trans­pa­ren­ter Farb­flaschmob aus Farb­staub und Mol­ke durch­dringt die über­all mas­si­ven qua­dra­ti­schen Grund­struk­tu­ren des Tur­mes, der Anla­ge, der Beton­flä­chen, der Stra­ßen­ver­läu­fe. Der Farb­flow spie­gelt sich in den Fens­tern der heu­ti­gen Schrei­ne­rei Holz­Art. Der Pur­purf­low kann über­haupt nur an den Glas­flä­chen sicht­bar wer­den, denn hier spie­len Innen und Aus­sen in einem dau­ern­den Spiel zusam­men und öff­nen sich zum Licht. Hier wird das Glas zum Trä­ger, wie ein kost­ba­res Gefäß offen für das Flu­ten der Far­be, ohne sich abzu­gren­zen oder sich wie sonst unsicht­bar zu machen. Es spie­gelt, indem es selbst sei­ne Durch­sich­tig­keit opfert: Alles ist mit allem ver­bun­den.

Am zen­tra­len Herz­punkt der gesam­ten Kom­po­si­ti­on des Pur­purf­lows tref­fen die 3 sicht­ba­ren Mit­spie­ler Gelb, Oran­ge, Pur­pur leuch­tend auf­ein­an­der und chan­gie­ren in einem Kar­min. Sie ste­hen in einem direk­ten Ver­hält­nis zu einer gro­ßen, lich­ten offe­nen Trü­be. An die­sem kris­tal­li­nen und doch spi­ra­li­gen Begeg­nungs­punkt ist der Fokus der gesam­ten Farb­raum­kom­po­si­ti­on. Ist es ver­wun­der­lich, dass vie­le Besu­cher sich genau dort foto­gra­fie­ren? Ist es ver­wun­der­lich, dass es immer wie­der der Punkt ist, wo der Blick ruht? Hier dreht sich etwas, hier klingt die an uns gestell­te offe­ne Fra­ge an:

Wer bin ich im HERZ?

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